Jagdliches Brauchtum

Allgemeines

Brauch=: v. althochdt. Bruh = Nutzen

Für die einen ist jagdliches Brauchtum ein überflüssiges, romantisch verklärtes Anhängsel mit z.T. nationalsozialistischen Wurzeln. Für die anderen ist Jagen ohne die jagdlichen Bräuche nicht vorstellbar.

Unsere moderne Jagd fordert ein hohes Maß an Fachwissen und handwerklichem Können. Die praktische Jagdausübung enthält darüber hinaus Elemente einer langen und bewährten Tradition, die einen waidgerechten Umgang mit dem Wild beinhalten.
Die ethischen Grundsätze, die sich in den Sitten und Gebräuchen der Jäger widerspiegeln, sollte jeder Jäger kennen und verinnerlichen. Erst durch die Anwendung unserer jagdlichen Sitten und Gebräuche, bei der Jagdausübung und dem jagdkulturellen Umfeld, entsteht letztlich erst etwas, was wir Jäger heute unter Jagd verstehen.

Dadurch unterscheidet und distanziert sich die Jagd für alle deutlich von einer Reduzierung auf einen ausschließlich dem reinen Nützlichkeitsprinzip unterworfenen Tötungsvorgang.

Brauchtum, das nicht mit Leben gefüllt wird, zerfällt. Eine Gefahr für das Brauchtum entsteht auch dann, wenn ihre Formen sich verselbstständigen und deren ursprünglicher Sinn verloren geht. “Vernunft wird zu Unsinn, Wohltat zur Plage” (J.W. Goethe).
Es ist wichtig, dass wir in Zukunft im Rahmen der Jägerausbildung wieder mehr Wert auf diesen Teil der Ausbildung legen.

Jägersprache

Die Jägersprache verfügt über einen seit dem späten Mittelalter sich ständig erweiterten und verfeinernden Wortschatz, der gegenüber der Fachsprache, die mit der Jagdtechnik wuchs und sich wandelte, unberührt blieb und als ein unabhängiger, standessprachlicher Wortschatz im Laufe der Zeit entwickelt wurde. 

Ernst von Dombrowski führt einen Wortschatz von mehr als 6000 Worten an, von denen heute noch die Hälfte angewendet werden könnten.

Im Hochmittelalter entstanden Jagdhoheiten, die die freie Jagdausübung stark einschränkten und die Schaffung eines Berufsjägercorps notwendig machten.
Die besondere Stellung der Berufsjäger als unerlässlicher Spezialist auf dem Gebiet der Jagd förderte die Entstehung einer Fach- und Standessprache, die zur Festigung und Bewusstmachung ihrer besonderen sozialen Stellung beitragen sollte und zur Abgrenzung gegenüber Bürgern, Bauern und Jägern, denen nur die niedrige Jagd gestattet war, diente. Unterlagen belegen, dass bereits im Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert eine vollentwickelte Standessprache vorlag.

Das damalige Selbstverständnis sah sogar eine Bestrafung bei Verstößen gegen die Sprachregelungen als grobe Missachtung ihres Standesbewusstseins vor, die uns heute noch als „Pfundegeben“ oder „Waidmesserschlagen“ bekannt sind. Das allgemeine Hornsignal „Blattschlagen“ (Merktext: …gebt die Pfunde ihm…), zeugt noch heute davon. Es sollte aus diesem Grund nicht beim Jägerschlag geblasen werden, weil es als Strafe nicht zu dieser Zeremonie passt.

Der Jägerschlag

csm_jaegerschlag_89a79e654cDer erste Schlag soll Dich zum Jäger weih`n
Der zweite Schlag soll Dir die Kraft verleih`n,
zu üben stets das Rechte
Der dritte Schlag soll Dich verpflichten,
nie auf die Jägerehre zu verzichten

Der Jägerschlag gehört zu den jüngeren jagdlichen Bräuchen
und stellt im Leben eines Jägers den Punkt dar, wo er sein stilles Versprechen, in Zukunft anständig nach den Regeln der Waidgerechtigkeit zu jagen, abgibt und danach in die Reihen der Jägerschaft aufgenommen wird.

Dem Jägerschlag wird eine kurze Rede durch den Brauchtumsobmann vorangestellt, in der er versucht, noch einmal die sogenannten Jungjäger für ihre neue Verantwortung gegenüber dem Wild, Wald und Mitmenschen zu sensibilisieren und auf Gefahren im Zusammenhang mit der Jagd hinweist.
Im Anschluss erhalten die Jungjäger zu dem Vers drei leichte Schläge mit dem Hirschfänger auf die linke Schulter und werden mit Handschlag in die Reihen der Jäger aufgenommen und mit Waidmannsheil zum ersten Mal von Jäger zu Jäger begrüßt. Sie erwidern ab nun den Gruß als Jäger auch mit Waidmannsheil.

Die Hubertusmesse

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Die liturgische Form eines Jagdgottesdienstes entwickelte sich im 19. Jahrhundert in Frankreich im Zusammenhang mit der Parforcejagd. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde es auch in vielen Ländern Europas zum schönen Brauch, die bisher in den Kirchen abgehaltenen Hubertusmessen im „grünen Dom des freien Waldes“ zu feiern. In Deutschland wurde die Hubertusmesse, aufgrund der unterschiedlichen politi-schen Verhältnisse und Entwicklungen, zunächst in den alten Bundesländern, erst nach 1950 bzw. seit 1965 häufiger Brauch.

Die Hubertuslegende

Wilhelm Carl Räuber Geboren: 1849 Gestorben: 1926 Stil: Symbolismus Kunstwerk: Vision des hl. Hubertus. Jahr: 1892 Technik: Öl Malgrund: Leinwand Originalgröße BxH: 355 x 205 cm

Die Legende des Hl. Hubertus existiert in unterschiedlichsten Versionen und Interpretationen. Auch ist sie eng verknüpft mit anderen Legenden, die allesamt das gleiche Motiv erzählen: Der wilde Jäger, dem Gott sich auf der Jagd offenbart (Vision) und der fortan geläutert und mit einem neuen Verständnis des Mitgeschöpfes Tier sein Leben und Handeln ändert.
Die Legende ist nicht an den christlichen Kulturkreis gebunden – auch im asiatischen Raum und im Orient sind ähnliche Überlieferungen bekannt. Sie alle zeugen vom kulturübergreifenden und verbindenden Element der Jagd.

In Diethard H. Klein (Hrsg.), “Das Große Hausbuch der Heiligen”, Berichte und Legenden, München 2000, wird die Hubertuslegende wie folgt berichtet:
“Als einst Hubert an einem Karfreitag mit seinem lauten Tross zur Jagd zog, warnte ihn seine Gattin und flehte ihn dringend an, den ernsten Todestag des Herrn nicht zu entweihen. Er schien von der liebevollen Warnung seiner frommen Gattin gerührt, dennoch siegte die Jagdlust. Mit seinem zahlreichen Gefolge sprengte er durch Wald und Busch, durch Wiesen und Gründe und verfolgte einen prächtigen Hirschen. Als er demselben nahe kam und schon den Bolzen nach dem Tiere abdrücken wollte, bleibt dasselbe plötzlich stehen, wendet sich nach dem Jäger, und mitten in seinem Geweih erscheint ein strahlendes Kreuz. Eine klagende Stimme ertönt: ‘Hubertus, ich erlöste dich und dennoch verfolgst du mich!’
Hubert erbebte, warf sein Geschoß von sich und flehte innig zu Gott um Erbarmen. Darauf baute er sich eine Hütte aus Baumzweigen und Schilf und führte, von der Welt geschieden, in stiller Waldeinsamkeit ein bußfertiges, abgetötetes Leben.”

Weitere Informationen finden Interessierte unter:
www.int-st-hubertus-orden.de

Bläsergruppen

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Wissenswertes zur Jagdmusik und den verwendeten Instrumenten…

Jagdmusik ist ein europäisches Phänomen. Weit mehr als 50.000 Jäger blasen in Europa das Jagdhorn, ein ventilloses Blechblasinstrument, mit welchem, bedingt durch seine Bauform, nur eine begrenzte Anzahl von Tönen aus der Naturtonreihe hervorgebracht werden kann. Was macht den Reiz des Jagdhornklanges aus?
Man wird wohl zunächst die Natur, den Wald, das Feld, die Jagd und das “freie” Jägerleben mit dem Ertönen des Horns in Verbindung bringen. Es ist aber auch die besondere Klangfarbe, die dem Ton des Horns zu eigen ist. Der Schall der Hörner, aus allen Himmelsrichtungen von fern und nah ertönend, durch Felsen und Schluchten im Echo gebrochen, wurde zum Symbol des Jägerlebens in der freien Natur, wo Lust und Gefahr eng beieinander wohnen. Der Hornklang steht aber genauso für Waldeinsamkeit und Waldandacht wie für Eichendorffs romantisches Naturgefühl.

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Das Jagdhorn, egal ob es sich um das kleine Fürst-Pless-Horn oder um das größere Parforcehorn handelt, ist nach Wilhelm Bruns, Hochschullehrer fürNaturhorn und Inhaber der Naturhornakademie Bad Dürkheim: „für viele Mitmenschen eine Instrumentengattung, welche sich mit normalen musikalischen Maßstäben nur schwer einordnen lässt. Für den einen gehört es in die Kategorie überdimensionierte Schallquelle zur Steuerung von jagdlichen Abläufen ohne besondere musikalische Ansprüche.
Für die anderen stellt es die hohe Kunst dar, auf einem konischen Rohr lustvolle und ausdrucksstarke Tonfolgen hervorzubringen.“

Die Entwicklung der Hörner ist eng an die Entwicklung der Menschheitsgeschichte gekoppelt. Hohle Bambusrohre einerseits, Kuh-, Stier- oder Widderhörner andererseits dürften wohl als Urahnen aller Instrumente mit Kesselmundstück anzusprechen sein.
Die später entstandenen Luren sind die ältesten mit einem Kesselmundstück gebauten Blasinstrumente. Sie stammen aus der Bronzezeit (ca. 2000 – 1000 v. Chr.) und wurden hauptsächlich in Skandinavien und Norddeutschland gefunden.
Gewundene Waldhörner können schon im 14. Jahrhundert nachgewiesen werden. Sie gehen zurück auf die römischen Typen: Tuba, Buccina, Cornu. Zur Familie der Naturhörner gehören das heute noch lebendige Alphorn, ferner das Post-, Jagd- und Signalhorn.
Eine besondere Eigenart der Blechblasinstrumente besteht darin, dass sie sich leicht überblasen lassen, und zwar in der Reihenfolge der Obertöne (Naturtonreihe). Während für die meisten Musiker die Lehre von den Obertönen eine lediglich theoretische Angelegenheit ist, arbeitet der Blechbläser nur mit Obertönen. Die Tonhöhe hängt dabei von der Größe eines Instrumentes, genauer gesagt von der Länge der im In-strument schwingenden Luftsäule ab. Der Charakter des Tones aber ergibt sich aus der Art des Mundstückes (Kesselmundstück, Trichtermundstück, Größe der Bohrung im Mundstück, …).

Die bei den Hubertusmessen verwendeten Instrumente, die Parforcehörner, erlebten ihren Höhepunkt in der Zeit um 1700 als Ruf- und Signalhörner. Sie waren bei der prunkvollen Reitjagd als Piqueurhorn oder Parforcehorn sehr beliebt. Der Jäger zu Pferd konnte ein Horn mit größerem Gewicht tragen, es war sogar von Vorteil, wenn das Horn weit gewunden war. Es konnte leichter um die Schulter gehängt werden, und der Reiter hatte beide Hände frei. Mit der größeren Länge des Rohrs (ca. 4,50m) war auch ein größerer Ausschnitt aus der Naturtonreihe zu blasen, der etwa dem sonoren Klang des Tenors oder Bass eines Chores entspricht.

Die Verbesserung der Instrumente Anfang des 18. Jahrhunderts trug dann dazu bei, dass diese Jagdhörner immer mehr gefragt waren. So schrieb der Komponist und Musiktheoretiker Johann Mattheson, ein Musik-Theoretiker 1713 in seinem Werk „Das Neue Orchester: … die lieblich pompösen Waldhörner sind bei jetziger Zeit sehr en vogue  (in Mode), sowohl was Kirchen- als auch Kammer-Musik anlangt, weil sie nicht so rüde von Natur sind als die Trompeten, teils auch weil sie mit mehr Facilite´ können tractiert werden.”

In dieser Zeit war es auch üblich, nach der Jagd kleine Menuette zur Erheiterung der Jagdgesellschaft zu spielen.
Ebenso entstand damals der Brauch, dass am Tag des heiligen Hubertus, dem Schutzheiligen der Jäger, die Jagdhörner in der Kirche die feierliche Umrahmung der Liturgie zur “Hubertusmesse” übernahmen. Eine spezielle Hubertusmesse für Parforcehörner hat sich jedoch erst am Anfang und im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt. Die Melodien dazu sind in Frankreich und in Belgien entstanden und wurden meist mündlich weitergegeben. Im Laufe der Zeit entstanden aus einfachen Hornrufen und Verständigungssignalen ausgefallene Melodien. Die Musik entwickelte sich nun mehr und mehr vom einfachen, einstimmigen Jagdsignal zu mehrstimmigen Menuetten und Vortragsstücken. Das Jagd- oder Naturhorn war bei jeder Hofkapelle vertreten. Überall in Europa spielten in den klassischen Orchestern auch Jagdburschen auf ihren Hörnern. Der Schritt vom Jagdhorn über das Naturhorn und Inventionshorn hin zum Ventilhorn dauerte dennoch weit mehr als 100 Jahre.

Die Hubertusmesse wird in der Regel durch gemischte Gruppen mit B in Dur gestimmten Hörnern oder ausschließlich mit großwindigen Parforcehörnern in der Grundstimmung “ES-Dur” geblasen. Diese Instrumente hätten abgewickelt eine Länge von ca. 4,15 Metern. Sie sind mit einem echten Waldhornschallbecher mit einem Durchmesser von 31 cm ausgestattet. Das Parforcehorn verfügt über den vollen Tonumfang von 3 Oktaven, ist aber in seiner Tonskala auf lediglich 16 Naturtöne beschränkt. Das Instrument ist nicht temperiert, d.h. einige Töne sind aufgrund von physikalisch-naturgesetzlichen Gründen der Naturtonreihe entweder etwas zu tief oder zu hoch. Neben ihrem typischen hellen, naturhaft urwüchsigen, dabei doch romantisch-poesievollen Jagdhornklang klingen sie, wie alle Naturinstrumente, für unsere, auf modern-temperierte Stimmung eingestellte Ohren etwas gewöhnungsbedürftig.

Im 18. Jahrhundert entdeckte Anton Joseph Hampel das so genannte “Stopfen” des Horns. Ihm kam der Gedanke, den bisher noch rohen, stets offenen und wenig modulationsfähigen Klang des Horns durch Einführung der Hand in den Schallbecher des Instruments etwas abzudecken und ihm erst dadurch die charakteristisch dunkle, warme und ausdrucksfähige Fülle des echten Horntons zu verleihen. Durch diese Entdeckung veränderte sich auch der konstruktive Aufbau der Hörner. Ein Stimmzug wurde geschaffen und das ganze Horn wurde in seiner Form etwas ansehnlicher.
Das Stopfen aber verändert die Länge der Luftsäule im Horn und somit die Tonhöhe. Somit war der Hornist nun in der Lage, völlig ohne Ventile, auch die Töne neben den Naturtönen zu spielen.
Diese Technik wird bis heute bei Naturhörnern angewendet.

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Hüttenbläser

Klaus Wehler

Ringstraße 13
56477 Rennerod

Tel: 02664 / 6435
klaus.wehler@gmail.com

Hoher Westerwald

Andreas Groß

Lehmkaut 7
56479 Irmtraut

Tel: 06436 / 3947
a.gross1955@gmx.de
www.jhbg-hoher-westerwald.de

Kroppacher Schweiz

Hermann Gerlach

Johannisgarten 2a
56237 Oberhaid

Tel: 02626 / 8502
hermann-gerlach@gmx.de

Bläsergruppe Westerburg

Rolf Altgeld

Adolfstraße 68
56457 Westerburg

Tel: 02663 / 27036

Bläsergruppe Dreiherrenstein
– Unterwesterwald

Hartmut König

Hahnweg 17
56242 Selters

Tel: 02626 / 8866
hartmut.koenig@wald-rlp.de

Bläsergruppe Steinefrenz-Wallmerod

Walter Neuroth

Im Weidenbusch 4
56414 Steinefrenz

Tel: 06435 / 8205
w-neuroth@t-online.de

Jagdsignale

Ansprechpartner

Peter Schäfer

Peter Schäfer

Obmann für jagdliches Brauchtum

Mühlenweg 4
57629 Linden

Tel: 02666 / 1699
Mobil: 0171 / 6406089
boss.schaefer@gmx.de